288. Wiener Derby, Austria - Rapid
Geschrieben von TM-Tobi am 07-12-2008

BERICHT und BILDERGALERIE
Wien, Sonntag den 7.12.2008
Zum zweiten Advent stand für mich erstmals ein Fussballspiel in Österreich auf dem Terminplan. Als Hopping kann man das freilich nicht bezeichnen, ich wohne im Moment wegen Studium in Wien. Mit einem ortskundigen Austrianer aus meinem Bezirk ging es ...
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Zum zweiten Advent stand für mich erstmals ein Fussballspiel in Österreich auf dem Terminplan. Als Hopping kann man das freilich nicht bezeichnen, ich wohne im Moment wegen Studium in Wien. Mit einem ortskundigen Austrianer aus meinem Bezirk ging es ...
... per PKW zum Horr-Stadion nach Favoriten. Normalerweise ist man mit U- und S-Bahn viel schneller... jedoch herrscht durch die schlechte Infrastruktur in Favoriten bei Derbies an der betreffenden U-Bahnstation 'Reumannplatz' häufig das Chaos. Nicht nur verkehrstechnisch. So hatten die Ordnungshüter beim letzten Derby - einen Monat zuvor an gleicher Stelle - mehrere Verletzte zu beklagen, da sich die Fangruppen am Reumannplatz eine ansehnliche Straßenschlacht lieferten. Entsprechend hoch war an diesem zweiten Advent das Polizeiaufgebot. Laut Wiener Presse waren für die gut 12.000 Zuschauer ca. 800 Polizisten im Einsatz, so viele wie noch nie zuvor bei dieser Spielpaarung. Sogar 2 gepanzerte Fahrzeuge mit Wasserwerfern standen für den Fall der Fälle bereit. Vor und nach dem Spiel kam es laut Presse dieses Mal zu keinen nennenswerten Ausschreitungen. Hauptgrund hierfür dürfte der Aufruf der führenden Rapid-Ultra-Gruppen gewesen sein, unter dem Motto 'Fahnen statt Böller' zum Derby zu marschieren. Eine erneute Eskalation hätte wohl dem Ruf des grün-weissen Anhangs in der Öffentlichkeit zu sehr geschadet.
Das Spiel verfolgten wir vom Oberrang der neu gebauten Osttribüne, also der Fantribüne der 'Violetten'. Für diesen Bereich gab es sogar am Spieltag noch 200 Restkarten an der Tageskasse - und das obwohl es nur 10.000 Heimkarten gibt. Man kann das quantitative Potential der Austria demnach auf mittleres bis oberes deutsches Zweitliganiveau einstufen. Qualitativ verfügt der FAK allerdings über viele 'motivierte' Leute. So konnte man an der Tankstelle am Stadion vor dem Spiel zahlreiche illustre Gestalten beobachten, die sich mit Alkoholika versorgten (im Stadion gab es keinen Alk-Ausschank).
Auf der Osttribüne hatte man dann eine extrem gute Sicht, sehr steil gebaut das Ding. Allerdings standen wir ganz außen, wo man von der Ultra-Action in der Mitte des Oberrangs, wo die 'Fanatics' stehen, wenig bis garnichts mitbekam. Die Capos der Austrianer Ultra-Gruppierungen bemühten sich über die gesamte Spielzeit, die Osttribüne via Mikrofonanlage zu dirigieren. Die Lautstärke und der Anteil der aktiv anfeuernden waren ganz ordentlich. Die ca. 2000 Rapidler auf der gegenüberliegenden Westtribüne waren jedoch über weite Strecken des Spiels deutlich lauter. Der Anteil der aktiv Supportenden lag hier bei sicher 80%. In Halbzeit 2, nach dem Ausgleich zum 2:2 war zeitweise eine Masse von sicherlich 500 Grün-Weissen beim Pogotanz in Bewegung. Ein imposantes Bild, genau wie die zahlreichen 'Adventslichter'. Nicht nur nach den beiden Toren des SK Rapid, sondern auch zum Beginn der zweiten Hälfte wurde der Gästesektor durch je 10-20 Bengalen hell erleuchtet und eingenebelt.
Die Fans der Austria wussten ihre Tribüne ebenfalls durch Pyrotechnik 'aufzuwerten'. Die ersten Bengalos im Spiel wurden auf der Ost gezündet und auch wenn diesmal nicht Georg Koch im Tor vor der Tribüne stand: scheissegal, es werden Böller in den 5-Meter-Raum geworfen!! Dieser Zustand interessiert hier fast schon niemanden mehr, außer vielleicht den Premiere-Kameramann, der jetzt wie Georg Koch sein Gehör - zumindest teilweise - eingebüßt haben dürfte.
Ob den zahllosen Bengalos, Blinkern, Rauchbomben und Böllern fragt man sich als deutscher aktiver Fussball-Supporter natürlich: wie kann das sein, dass keiner eingreift? Nun, die 800 Polizisten hatten sich in der Ecke neben dem Gästesektor versammelt, vor den Fantribünen standen lediglich - wie Atrappen - völlig überforderte, ängstlich wirkende Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes, die ruhig zusahen, wie 5 Meter vor ihnen ein Bengalo nach dem anderen gezündet wurde. Nicht einmal der Stadionsprecher versuchte, die Fans zu 'ermahnen'. Eine vernünftige Pyroshow gehört bei diesem Spiel wohl einfach dazu...
Auf Seiten des Gästesektors gab es noch ein UN (Ultras Nürnberg) Banner zu sehen, das während dem Spiel über dem Ultras Rapid Banner hing. Von anderen Rapid-freundlichen Gruppen war nichts zu sehen, sicher auch weil in Genua taggleich Derby war und in Athen gerade was ganz anderes abgeht... Dennoch ließ es sich der Heim-Mob nicht nehmen Sprechchöre wie 'Rapid Wien die Hure Europas' anzustimmen. Überhaupt wage ich zu behaupten, dass mind. 70% des Austria-Supports dem Gegner gewidmet war. Vielleicht etwas zu viel, hier mögen die Meinungen auseinander gehen. Für Aussenstehende amüsant aber allemal:
'Jeden Montag, ihr grünen Schweine,
steht am Sozialamt und holt Euch Eure Scheine,
oh SK Rapid, ihr Hurenkinder,
wir sind die Veilchen und hassen Euch für immer...'
...um nur einen Sprechchor zu zitieren.
Ich mutmaße allerdings, dass der Anteil an Sozialhilfeempfängern auf Austria-Seite ähnlich hoch sein muss ;-)
Aussagen wonach ein größerer Teil der Austria-Fanszene angeblich rechtsradikale Tendenzen aufweist kann ich nicht bestätigen. Allerdings reicht zur Beurteilung mein Erfahrungsschatz aus 2 einhalb Stunden Horr-Stadion noch nicht aus. Lediglich eine 'Steinar'-Jacke konnte ich sichten. Sonstige Auffälligkeiten in diese Richtung gab es jedoch nicht.
Alles in allem ein unterhaltsamer Nachmittag. Das Derby ist auf jeden Fall auch eine Reise Wert. Zumindest im Horr-Stadion ist es für Hopper normalerweise kein Problem Karten zu bekommen, und zwar im voraus über den freien VVK über die offizielle Austria-Website - Abholung der Karten am Spieltag an der Stadionkasse...
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es berichtete: TM-Tobi, Wien-Leopoldstadt am 7.12.08
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